Wissenschaft im Dialog (WiD) organisierte zum 15. Mal das Forum Wissenschaftskommunikation –  die größte Fachtagung für Wissenschaftskommunikation im deutschsprachigen Raum. Nachdem die Tagung 2021 coronabedingt als rein digitale Veranstaltung stattgefunden hatte, konnten sich die Teilnehmenden in diesem Jahr wieder in Präsenz begegnen. Vom 4. bis zum 6. Oktober 2022 trafen sich in Hannover Wissenschaftskommunikatorinnen und -kommunikatoren unter dem Motto „Transformation gestalten – Wissenschaftskommunikation für eine Gesellschaft im Wandel“. Mit dabei waren auch Vertreterinnen und Vertreter des Verbundprojekts MIRKKOMM, das auf die „Optimierung der Risiko- und Krisenkommunikation von Regierungen, Behörden und Organisationen der Gesundheitssicherung“ zielt.

In einer Session zum Thema „Coronapandemie: Wenn Wissenschaftskommunikation zur Krisenkommunikation wird“ referierten und diskutierten der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Hans-Jürgen Bucher (Karlsruher Institut für Technologie, KIT), der die veränderten Anforderungen von Wissenschaftskommunikation mit Blick auf die multimodale Ausrichtung zielgruppengerechter Online-Kommunikate beleuchtete, Dr. Annett Schulze vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), die als Kommunikationswissenschaftlerin mit dem Arbeitsschwerpunkt digitale Gesundheitskommunikation die Herausforderungen des Journalismus sowie die kommunikativen Bedarfe unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen skizzierte, sowie Dr. Christina Leuker, Leiterin der Projektgruppe Risikokommunikation am Robert Koch-Institut (RKI), das als zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention in der Pandemie ganz besonders gefordert war und weiterhin ist. Das RKI ist neben dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), dem Bundespresseamt (BPA), der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und weiteren assoziierter Partner des Projektverbunds MIRKKOMM. Moderiert wurde die Session von Dr.in habil. Dinah Kristin Leschzyk (BfR).

Im Fokus der Session stand das kommunikative Zusammenspiel von Behörden, Medien und weiteren Öffentlichkeitsakteuren in Vorbereitung auf und zur Bewältigung von Gesundheitskrisen in einer komplexen öffentlichen Sphäre. Ziel war es, die verschiedenen Handlungslogiken dieser Akteure aufzuzeigen und Herausforderungen einer zielgruppengerechten Ansprache in der Pandemiekommunikation zu verdeutlichen. Während im Journalismus beispielsweise Nachrichtenwerte wie die Aktualität einer Meldung zentrale Parameter der Produktionslogik bilden, agiert die Wissenschaft in weiten Zeithorizonten. Daraus ergibt sich ein Spannungsfeld zwischen Journalismus und Wissenschaft. Ähnliches ist in Bezug auf die Veränderlichkeit von Wissensbeständen zu beobachten: In der Wissenschaft ist die Revision von Aussagen durch neue Erkenntnisse eine logische Konstante. Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben wissen um die besondere Relevanz konsistenter Kommunikation – gerade in Krisen. Und die Bevölkerung schließlich, gedacht als vielschichtiger Rezipient*innenkreis behördlicher wie medial vermittelter Risiko- und Krisenkommunikation, fordert unumstößliche Fakten und beständige Aussagen – bei höchstmöglicher Aktualität aller Informationen. Gleichzeitig verändert sich die Rolle Rezipierender, seit durch Social Media eigene Inhalte geteilt und die Beiträge professioneller Kommunikatorinnen und Kommunikatoren öffentlich kommentiert werden können.

Zusammen mit dem Publikum diskutierten die Panelteilnehmerinnen und -teilnehmer, wie sich die dynamisch ändernde Lage, die sich dementsprechend ändernden Botschaften, behördliche kommunikative Praktiken, mediale Handlungslogiken und der nachvollziehbare Wunsch nach Konsistenz und ultimativen Wahrheiten seitens der Bevölkerung vereinbaren lassen. Gefragt wurde u. a., mit welchen multimodalen Arrangements Kernzielgruppen erreicht werden; wie diese die Informationen in Warnungen, Handlungsempfehlungen und -anweisungen rezipieren, bearbeiten und bewerten und welche behördlichen wie medialen Herausforderungen sich durch die zunehmende Relevanz, Distribution und Weiterleitung prosumentischer Informationsangebote ergeben. Das alles mit dem Ziel, Wissens- und Kommunikationsmanagement unter den Bedingungen einer Pandemie zu optimieren, sodass die mit Krisen einhergehenden Herausforderungen zukünftig besser bewältigt werden können.

v.l.n.r.: Dr. Annett Schulze (BfR), Dr. Christina Leuker (RKI), Prof. Dr. Hans-Jürgen Bucher (KIT), Dr. habil. Dinah Kristin Leschzyk (BfR)

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